Nr. 03: Schreibe einen Brief an dein jüngeres Ich

Der Januar 2026 steht unter dem Motto „Neuanfang und Vision“ und manchmal braucht es auch einen kurzen Blick in die Vergangenheit, um nach vorne zu schauen. Nicht zu lang, eben nur kurz. 😉

Vor einigen Jahren habe ich mal einige Gespräche mit einer Psycho-Therapeutin geführt, um u.a. Dinge aus meiner Vergangenheit und vor allem meiner Jugend aufzuarbeiten und zu verarbeiten. In diesem Zeitraum habe ich die Hausaufgabe bekommen, einen Brief an mein jüngeres Ich, damals war es mein 15-18 jähriges Ich, zu schreiben. Ich habe es nicht hinterfragt, also nicht gefragt, warum man dies aus psychologischer Sicht tut und wie es genau wirkt, aber ich kann sagen, dass es mir durchaus geholfen hat.

Aus diesem Grund finde ich es passend, dies als einen der 40 besonderen Dinge im Januar 2026 zu listen und auch zu machen. Diesmal ist es also nicht ganz neu für mich. Allerdings wollte ich jetzt aber zusätzlich gerne verstehen, warum dies helfen kann bzw. wie einem dies weiterbringen kann und wofür genau es gut ist.

Bei meiner Recherche dazu habe ich gelesen, dass es zum einen dabei helfen soll, eine innere Beziehung herzustellen. Viele unserer heutigen Muster, Ängste und Stärken sind Antworten auf frühere Versionen von uns. Wenn man also seinem jüngeren Ich schreibt, soll es dabei helfen Dinge nicht mehr unbewusst zu steuern, sondern Ihnen ganz bewusst zu begegnen. Zum anderen hilft es dabei zu integrieren, anstatt zu verdrängen. Wir scheinen wohl dazu zu neigen unser früheres Ich entweder zu idealisieren oder gar abzuwerten. Ein Brief soll dabei helfen Anerkennung für sich selbst ohne ein Urteil zu schaffen.

Darüber hinaus besteht ebenso die Möglichkeit, das man Mitgefühl für sich selbst entwickelt und nicht mehr so hart mit sich ins Gericht geht. Zudem soll es dabei helfen, seine Lebensgeschichte neu zu ordnen. Man könnte diesen Brief auch als Rückblick mit Perspektive sehen. Man sieht Zusammenhänge ganz anders, kann Entscheidungen neu einordnen und erkennt vielleicht, was sich trotz allem durchgezogen hat (z.B. Werte wie Stärke, Sehnsucht, etc.). Das könnte einem das Gefühl geben, dass es Sinn macht da zu sein, wo man jetzt ist.

Kurzum kann ein Brief an sein jüngeres Ich dabei helfen

  • zu erkennen, was man sich JETZT eigentlich wünscht,
  • zu merken, welche alten Versprechen an einen selbst vielleicht noch offen sind und
  • klarer zu spüren, was man vielleicht nicht mehr wiederholen möchte.

Es soll nicht dabei helfen Fehler zu korrigieren, Ratschläge an sich selbst zu erteilen oder Nostalgie zu pflegen. Es soll eine Verbindung schaffen, sowie Anerkennung und Klarheit für sich selbst.

Nun hatte ich ja schon einmal vor einigen Jahren einen Brief an mein 15-18 jähriges Ich verfasst und fragte mich, an welches Ich ich denn nun schreiben sollte.

Noch einmal einen Brief an mein jugendliches Ich zu verfassen, kam für mich nicht in Frage. Also begann ich ein wenig über meine verschiedenen Lebensabschnitte nachzudenken. Ich fing an, darüber nachzudenken, was ich in diesen Abschnitten alles so erlebt hatte und wie ich mich gefühlt habe. War ich bei mir? War ich traurig? War ich glücklich? Habe ich auf irgendetwas gewartet? Habe ich die Dinge angepackt?

Ich habe im vergangenen Jahr in einem Buch über eine Übung gelesen, bei der man sich mittels einem Lineal und ganz vielen Post-It’s einen Überblick über seine Lebensabschnitte und gleichzeitig ein wenig Klarheit über die noch anstehenden Abschnitte verschaffen konnte. Im Wesentlichen sollte diese Übung dabei helfen, zu erkennen, wieviel Lebenszeit einem noch theoretisch zur Verfügung steht und wie man eben genau diese Zeit gestalten möchte. Bei dem ersten Teil dieser Übung betrachtete man aber zunächst seine Vergangenheit, um eine Bilanz über sein bisheriges Leben ziehen zu können, bevor man ein Gefühl für die noch anstehende Zeit bekommt.

Ich dachte mir, diese Bilanz über mein bisheriges Leben hilft mir vielleicht dabei, zu entscheiden, welchem jüngeren Ich, ich schreiben wollte.

Also kramte ich das Buch heraus und machte diese Übung. Ich klappte einen Zollstock auf einer Länge von 82 cm auf und legte es auf den Boden (mein Tisch war nicht groß genug 😉 ).

Der Zollstock steht dabei für dein Leben in Jahren mit der Annahme, dass wir ca. 82 Jahre alt werden, da dies nah an das aktuelle Durchschnittsalter der Menschen herankommt. Im nächsten Schritt sollte ich nun nach Anleitung des Buches mit meinen Zeigefinger auf mein aktuelles Alter zeigen, warten und dabei beobachten, wie ich mich fühle. Anschließend sollte man dort eine Spielfigur abstellen. Ich hatte noch einen Pippi-Langstrumpf-Papierausschnitt von meinem Visionboard übrig und fand es passend, Pippi statt eine Spielfigur dort hinzulegen.

Anschließend sollte ich meine Vergangenheit betrachten und die wesentlichen Meilensteine auf Post-Its schreiben und zeitlich neben den Zollstock einsortieren. Dabei ging es z.b. um den Schulabschluss, dass Ende der Ausbildung bzw. des Studiums, den ersten Job, aber auch gleichzeitig darum, wann war dein erster Kuss, auf welche Erlebnisse blickst du besonders gern zurück, welche Erlebnisse waren schwer für dich, etc. Außerdem wurden Gefühle, die man hat, wenn man an sein bisheriges Leben zurückdenkt, erfasst und es wurde versucht zeitlich einzuordnen, wann welche Gefühle am präsentesten waren.

Ich klebte fleißig alles auf und es wurde ein buntes wirrwarr rechts und links von der unteren Hälfte des Zollstocks. Ja genau, die untere HÄLFTE! Als ich mir das so ansah, dachte ich mir, es ist ja Halbzeit und dachte gleichzeitig mit ein wenig Augenzwinkern… „mmh… vielleicht bin ich ja gerade auch in einer Art Midlife-Crisis und möchte deswegen diese ganzen Sachen machen und ausprobieren.“

Aber gut, wenn dem so wäre, so denke ich, habe ich einen ganz schönen Weg gefunden, damit umzugehen. 😉

Im Weiteren ging es dann in der Übung um die Zukunft, auf die ich jetzt nicht so intensiv eingehen möchte. Was ich aber dazu sagen kann, ist, dass die Erkenntnisse daraus gut zu meinem Visionboard passen. 🙂

Zurück zum Brief an mein jüngeres Ich: Als ich mit der Übung fertig war, fing ich nochmal an mein bisheriges Leben mit Blick auf die Frage, welchem jüngeren Ich ich einen Brief schreiben möchte, genauer zu betrachten. Während ich also schon einmal mit therapeutischer Begleitung die Themen insbesondere meiner Jugend durchleuchtet und verarbeitet hatte, wollte ich ganz klar einen anderen Lebensabschnitt betrachten.

Dabei fiel mir auf, dass ich noch in einem Abschnitt drin stecke und zwar dem von einem Alter von ca. 30 Jahren bis heute. Wenn ich einen Brief an mein jüngeres Ich an diesem Abschnitt schreiben würde, würde sich dies nicht anfühlen wie ein Brief an mein jüngeres Ich. Es würde sich anfühlen, wie ein Brief an mein jetziges Ich.

Also schaute ich ein wenig weiter zurück und betrachtete mein 21-29 jähriges Ich. Dieses Ich mochte ich sehr. Sie hatte zu diesem Zeitpunkt viele mutige Entscheidungen getroffen, hat Dinge ausprobiert und war bei sich. Es gab auch in dieser Zeitachse schwere Zeiten – das Leben ist schließlich nicht perfekt – aber ich finde, Sie hat diese am Ende gut und souverän gemeistert und Sie war trotzdem frei, mutig und voller Lebensfreude. In manchen seltenen Momenten wünsche ich mir dieses Ich ein klein wenig wieder zurück, obwohl es ja in mir steckt.

Ich fragte mich, ob ich dieses Ich und diese Zeit wohl idealisierte. Und dann wurde mir klar, dass ich genau diesem 21-29 jährigem Ich einen Brief schreiben möchte.

Ich lies das erst einmal ruhen und machte es mir dann zu einem späteren Zeitpunkt in meiner Küche mit einem alkoholfreien Glas Wein gemütlich. Es war mir wichtig diesen Brief handschriftlich zu verfassen. So konnte ich ihn in eine Box legen, die ich mir als Erinnerungssammlung für dieses Projekt zugelegt hatte, damit ich, wenn ich Lust habe, immer mal wieder reinschauen kann. 🙂

Was soll ich sagen? Die Worte sprudelten so aus mir heraus. Ich erinnerte mich an eine ganz spezielle Zeit, die zugleich aufregend, neu, aber auch sehr schwer war und schrieb ganz lange darüber. Vielleicht habe ich es idealisiert, aber ich war beeindruckt darüber, wie ich das alles gemeistert hatte und dabei meine Freude am Leben immer groß war. Ich habe in dieser Zeit sehr viel erreicht, was mir heute extrem viel Sicherheit gibt. Durch viele mutige Entscheidungen, die ich damals getroffen und durchgezogen habe, habe ich heute die Freiheit und auch die Sicherheit, mir zum Beispiel die Zeit für dieses Projekt zu nehmen.

Ich stellte fest, es war kein Brief an mein jüngeres Ich, mit dem ich etwas verarbeitet habe. Es war vielmehr ein Dankesbrief an mein 21-29 jähriges Ich, dass unfassbar mutig, zielstrebig, ehrgeizig und dennoch sensibel war. Diesen Brief zu schreiben, hat mir sehr viel Freude bereitet und ich denke, ich werde ihn vielleicht in schwierigen Zeiten sehr gerne wieder lesen, um mich zu erinnern, was ich alles schaffen kann.

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Ich bin Skywalker

und ich freue mich, dass du da bist. In diesem Blog möchte ich meine Erfahrungen, die ich in meinem „Projekt 40“ erleben werde, mit dir teilen. Dabei wird es um verschiedene Dinge gehen, die ich im Laufe des Jahres 2026 ausprobieren, erleben und machen werde. Vielleicht kann ich dich ja damit inspirieren!

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